Anmerkungen zum historischen Geldwesen in West- und Mitteleuropa

Die kommerzielle Revolution mit ihren neuen Organisations-, Lebens- und Kulturformen führte zu einer zuvor nie gesehenen Dominanz des Wirtschaftlichen, des Rechenhaften und der Kontrollmechanismen.

Mit der zu Anfang des Die Frage ist allerdings, ob dieser Umstand als Problem empfunden und dargestellt werden muss.

Navigationsmenü

Wer das Geldwesen vergangener Jahrhunderte verstehen will, muss sich in die Welt der Ökonomen, Kaufleute und Mathematiker, aber auch der Beutelschneider, Betrüger und Hasardeure begeben.

Österreich hoffte, seine Rückkehr von der Papier- zur Metallwährung mit Hilfe der Goldinflation leichter zahlen zu können. Artikel 3 des Münzvertrages regelt, welche Länder eine der drei folgenden Silberwährungen einführen:. Mit dem Vertrag wurde die Kölner Mark zu , g durch das Zollpfund zu g als gemeinsames Münzgewicht ersetzt. Es erfolgte die Umstellung auf das Dezimalsystem. Trotzdem wurde in Artikel 4 und 9 des Münzvertrages vereinbart, dass die alten Taler und die neuen Vereinstaler als gleichwertige Münzen im Zahlungsverkehr zu behandeln sind.

Es durften jedoch nur noch die neuen Münzen geprägt werden. Für alle Reichstaler vor erfolgte zum Auf Grund der schlechten Erfahrungen mit dem früheren Doppeltaler des Dresdner Münzvertrages verzichteten jetzt die meisten Staaten auf die Prägung des neuen Zwei-Vereinstaler-Stückes oder verwendeten das Nominal als Gedenkmünze. Wurden in Deutschland von bis noch 24,5 Mio.

Stück Doppelvereinstaler geprägt, waren es von bis nur noch 7,5 Mio. Mit fast Mio. Stück wurden tatsächlich von bis wesentlich mehr Ein-Vereinstaler geprägt als die 56 Mio. Stück von bis unter dem Dresdner Münzvertrag. Neben den Hauptmünzen konnten auch Teilstücke der Taler als Landeskurantmünzen ausgeprägt werden. Mit dieser Erlaubnis waren sie jedoch nicht automatisch Zahlungsmittel in allen Vertragsstaaten, sondern bedurften der jeweiligen Zulassung.

Aus diesem Grund waren beide Teilstücke wohl in allen Ländern als Zahlungsmittel zugelassen. Nicht beseitigt wurden die unterschiedlichen Zählweisen in den Staaten. So wurde der Vereinstaler beispielsweise unterteilt in:.

Zur Förderung des Handels mit dem Ausland — für das Inland gab es keine Annahmepflicht — erfolgte die Einführung einer neuen Vereinsgoldmünze. Doch man hatte sich entschieden, mit dem Eichenkranz auf der neuen Münze dieser ein unverwechselbares Aussehen zu geben. Sie unterschieden sich nur durch das Kopfbildnis mit Titelumschrift des jeweiligen Herrschers und verschiedenen Randschriften.

Die Vereinskrone hatte kein festes Wertverhältnis zur Silberwährung. Die bisher vorhandenen Goldmünzen Dukaten und Pistolen wurden in den Vertragsländern verboten. Nur Österreich wurde in Artikel 18 des Münzvertrages eine bis befristete Ausnahme für die Dukatenprägung eingeräumt.

Das Königreich Sachsen gab den Sophiendukat weiter als Gedenkmünze aus. Als Nichtmitglied des Münzvereins prägte noch Hamburg bis jährlich den Dukaten. Viele der ausgegebenen Vereinskronen flossen entweder ins Ausland oder in die Freie Hansestadt Bremen, weil dort weiterhin eine Goldwährung bestand. Juni , wirksam ab 1. Januar aus dem Münzverein aus. Die Ausprägung der Vereinskrone und Vereinstaler wurde in Österreich eingestellt. Die Vereinstaler blieben aber weiterhin Zahlungsmittel.

Februar wurde zwischen Deutschen Reich und Österreich-Ungarn ein Abkommen über deren weitere Verwendung geschlossen.

Der österreichische Finanzminister setzte mit Verordnung vom April die Vereinstaler und Vereinsdoppeltaler mit dem 1. Jedoch erst zum 1.

März für drei Mark erfolgen. Für das Deutsche Reich war es ein erheblicher Verlust. In Norddeutschland wurde der Wiener Münzvertrag konsequent umgesetzt. Es wurden an öffentlichen Kassen keine anderen Landesmünzen angenommen. Im Umlauf waren jedoch Viertelguldenstücke, die einem Sechsteltaler entsprachen. In Süddeutschland gelang es auch nach dem Wiener Münzvertrag nicht, das Münzwesen zu ordnen.

Es wurden nicht nur alle Landesmünzen als Zahlungsmittel zugelassen, sondern auch noch das Konventionsgeld, die Kronentaler und französisches Geld, insbesondere 5-Franken-Stücke. In den er-Jahren verstärkten sich die Forderungen nach Abschaffung der Vereinskrone und für die Einführung einer neuen Goldmünze und einer Goldwährung.

Es wurde eine Mark-Goldmünze zu je 10 Groschen gefordert. Damit wäre eine Anlehnung an die englische Goldmünze Halb- Sovereign erreicht, die auf dem Weltmarkt anerkannt ist. Nach der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft im Jahre wurden fast überall die Verhältnisse wiederhergestellt, die bis bestanden hatten.

Im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg umgangssprachlich Kurhannover galt als Landeswährung der Taler, der in 24 Gutegroschen zu je zwölf Pfennigen oder in 36 Mariengroschen zu je acht Pfennig unterteilt war. Dieses sogenannte Cassengeld diente in Hannover für die Zahlung bei den öffentlichen Kassen, also auch bei der Postkasse, als Grundlage der Berechnung. Münzen von geringerem Wert waren aus minderwertigen Legierung oder Kupfer. Die Goldmünzen standen in keinem festen Verhältnis zu den Silbermünzen.

Der Preis dieser sogenannten Handelsmünzen richtete sich nach dem jeweiligen Goldpreis. Ein Dukat bis geprägt entsprach in etwa 2 Talern und 17 Gutegroschen. Hinzu kamen die Münzen aus den neu hinzugekommenen Gebietsteilen, die natürlich auch ihre eigenen Währungen hatten. Als Scheidemünze war nach niederländischen Vorbild der Stüber in Gebrauch. Mit Wirkung vom 1. So etwas ging nicht von heute auf morgen vonstatten. Conventions-Münzen waren bereits seit geprägt worden.

Die alten Ein-Zwölftel-Taler-Stücke wurden beileibe nicht eingeschränkt, sie wurden noch bis mit dem Bild des jeweiligen Königs weitergeprägt. Namentlich werden braunschweigische, sächsische und hessische Münzen aufgeführt. Die silbernen Scheidemünzen des Kassengeldes wurden dem Conventions-Geld gleichgestellt, die kupfernen blieben unverändert.

Der Wert der Goldmünzen wurde neu festgesetzt. Der Dukaten entsprach nun ein Taler 23 Gutegroschen 1 Pfg. Durch das Münzgesetz vom 8. April , in Kraft getreten am 1. Alle zusammen wurden Courant-Münzen genannt. Es durften nur einheimische Scheidemünzen angenommen werden. In Hannover wurden die letzten Zweidrittel-Stücke aus feinem Silber geprägt. Spätere Taler enthielten 25 Prozent Kupfer. Der Kurs der Goldmünzen wurde am Der Wert blieb weitgehend konstant.

Allgemein war die handwerkliche Produktion eher auf den lokalen Markt ausgerichtet. Dennoch brauchte auch diese Produktion Rohstoffe aus weit entfernten Gegenden. So importierte man Baumwolle von Sizilien, aus Ägypten und Syrien. Jahrhundert produzierten auch die Kolonien, wie Kreta, später auch Zypern, Baumwolle und vernachlässigten dabei sogar die Getreidekultivierung.

Der überwiegende Teil der Tuche wurde importiert. Erst um kann man eine gewisse Förderung durch die Magistrate erkennen. Anweisungen an alle Magistrate, nur venezianische Stoffe zu tragen, sorgten für einen Anstieg der Produktion.

Zum einen importierten die Fernhändler die feinsten Wollstoffe aus Flandern, um sie in den Nahen Osten zu exportieren. Auch die noch nicht voll entwickelten Qualitäten aus der Toskana standen schon im Jahrhundert auf der Liste der hohen Zölle, die dem Fiskus zuflossen — erst recht, als sie später die besten Tücher überhaupt lieferten.

Fiskus und Fernhändler hatten weder Interesse an einer heimischen Industrie, noch hatte man das nötige Know-how — und wenn, dann ging es in der überlegenen Konkurrenz unter. Ganz anders war die Situation der Seidenindustrie, die schon vor der Zuwanderung aus Lucca bestand, durch diese aber Menge und vor allem Qualität steigerte.

Solche Prachtstoffe wurden zunehmend von einer reich gewordenen Händlerschicht nachgefragt. Die Produktion von Glas lässt sich bereits für das 4. Glasfenster waren lange ein ungeheurer Luxus, was sich nicht nur aus der aufwändigen Technik und dem hohen Energiebedarf erklärt, sondern vor allem daraus, dass für die Gewinnung eines der Vorprodukte, der Pottasche , enorme Pflanzenmengen verbrannt werden mussten.

Um ein Kilogramm Pottasche zu gewinnen, brauchte man Kilogramm Holz. Hochreiner Glassand aus dem Ticino oder gebrannter Marmor dienten als Grundstoff. Diese reichten von einfachen Perlen bis zu handpolierten Kunstwerken. Sie wurden von verixelli hergestellt, während die phioleri Flaschen und dergl.

Jahrhundert dominierten die iberischen Reiche zunehmend den Mittelmeerraum — den Osten des überaus bedeutenden Handelsmeeres beherrschte das Osmanenreich. Dennoch band Venedig fast alle seine Kräfte in Italien. Die Kriege gegen das rivalisierende Mailand brachten es dabei an die Grenze der ökonomischen Belastbarkeit. Fast alle Staatseinnahmen sollten nur noch der Kriegsfinanzierung dienen, alle Gehaltszahlungen wurden für ein Jahr eingestellt, alle Mieter brachten eine halbe Jahresmiete ein, alle Vermieter ein Drittel ihrer Einnahmen für Häuser und Läden.

Die jüdische Gemeinde musste einen Sonderbeitrag von Die direkte Besteuerung nicht nur der Bewohner der Terra ferma , sondern auch der Venezianer selbst, wurde nie wieder aufgegeben. Immerhin erreichte Venedig am April einen Friedensschluss mit den Osmanen, der die Häfen für seine Händler offen hielt. Mit dem Frieden vom Januar musste es auf das albanische Scutari und auf Negroponte, das heutige Euböa , verzichten und einen jährlichen Tribut von Immerhin blieb der Handel frei, sogar bis zur Krim und nach Trapezunt.

Doch die Haupthandelsrouten verlagerten sich immer mehr nach Beirut und Alexandria. Auf dem Tiefpunkt, , fuhr keine einzige Galeere mehr nach Konstantinopel. Ähnlich florierte der Handel Richtung Frankreich und nach Tunesien. Trotz aller Schwierigkeiten dürfte Venedig am Ende des Methoden, den eigenen Handel und die eigenen Industrien zu protegieren, gab es schon sehr lange. Doch die Eingriffe der Jahre und stellen insofern einen Höhepunkt des Protektionismus zugunsten der Tuchindustrie dar, als sie das Tragen von Tuchen, die in Städten des Festlands erworben worden waren, streng verboten.

Damit nahmen zwei eng verflochtene Industrien einen weiteren Aufschwung, nämlich die Färberei und die Seidenproduktion. So beschäftigte die aufstrebende Seidenindustrie nach rund 2. Darüber hinaus hatte der Senat die Löhne der 6. Eine gewisse Entspannung brachte hier die Entwicklung neuer Produktionszweige, wie etwa die des Zuckerrohrs.

Das dortige Zuckerrohr machte sie zu einer der reichsten Familien Venedigs. Auf Zypern lag der Produktionsprozess bis zum raffinierten Zucker noch weitgehend in einer Hand, doch die Verfeinerung wurde partiell in Venedig durchgeführt.

Für andere Waren galt dieser Grundsatz noch viel deutlicher, sowohl für alte Produktionszweige, wie die Herstellung von Pelzen und Leder, als auch für neue, wie die Seifenproduktion. Auch die Produktion von Kerzen entwickelte zunehmend eine Arbeitsteilung, bei der auf dem Balkan Rohwachs gewonnen wurde, um ihn in Venedig zu Kerzen zu verarbeiten — auch für den Export.

Diese Arbeitsteiligkeit zwischen Rohstoffgebieten auf der einen Seite und Veredelung in Venedig auf der anderen wurde noch dadurch verstärkt, dass bereits raffinierte Produkte der Terra ferma häufig nur über Venedig exportiert werden durften.

Doch die Wirtschaftspolitik, die zunehmend Konturen gewann, war nicht nur darauf bedacht, die Gewinne nach Venedig zu lenken, den Fiskus zu stärken oder die Beschäftigungsmöglichkeiten zu schützen und zu erweitern. Sie ermutigte darüber hinaus Ausländer zum Einbringen neuer Technologien, bald auch von Kapital. Jahrhundert hatte man aus dem Reich angelockten Inzenieri ermöglicht, Windmühlen zu bauen.

Sie erhielten seit dem frühen Jahrhundert nicht nur erleichterten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Baugenehmigungen und dazugehörige Wegerechte, sondern vor allem einen ersten, echten Patentschutz. Damit konnten erstmals Konstrukteure komplizierter Maschinen, wie sie die im Nordwesten Europas entwickelten Windmühlen darstellten, ihre Erfindungen mehrere Jahrzehnte ökonomisch nutzen, ohne fürchten zu müssen, von Plagiatoren verdrängt zu werden.

Innerhalb weniger Jahre stieg Venedig zur Buchpresse Italiens auf, im Jahrhundert sogar zu der ganz Europas. Einen wesentlich langsameren, aber umso dauerhafteren Aufschwung nahm die Glasindustrie.

Jahrhundert erscheinen 41 Geschäfte, in denen nur der Verkauf betrieben wurde. Doch der Löwenanteil war bald für den Export bestimmt. Kriege und die Lebensmittelversorgung. Um diese grundsätzliche Frage tobte ein langer Streit, wobei der Senat meistens das Mittel der Zwangsanleihe bevorzugte. Für die Zeichner der Zwangsanleihen hatte der Niedergang dieses Finanzierungssystems gravierende Folgen: Die Abgabe basierte nicht mehr auf den schwer zu überprüfenden Angaben des Pflichtigen, sondern bezog die in einem Kataster erfassten Immobilien und ihre Erträge mit ein.

Damit war die Stadt eine der vermögendsten Mächte der damaligen Welt. Dennoch gab man dieses Zahlungsmittel nicht sofort auf. Zwar konnte der Rat der Zehn , der das Münzwesen strenger zu ordnen versuchte, die Abwertung zwischen und bei 1: Bei diesen Verfahren wurde die Münze allerdings nach und nach so klein, dass man bald neue Münzen mit dem vierfachen Quattrino oder gar achtfachen Ottino Wert des Piccolo prägte.

Doch das genügte bald nicht mehr, und so erschienen bald Münzen zu 2 und 4 Soldi, was 24 und 48 Piccoli entsprach. Doch der Senat wurde überwiegend von Fernhändlern dominiert, die im Gegenteil von günstigen Löhnen und Produkten profitierten. Diese Münzen waren inzwischen die einzigen, die noch auf dem Festland umliefen, da die Silbermünzen viel zu unzuverlässig waren. Daher hatte die feindliche Geldpolitik Mailands, die das venezianische Münzsystem in ein völliges Chaos zu stürzen drohte, eine vom Senat selbst geschaffene Basis.

Die Silbermünzen wurden in ihrem Wert neu festgesetzt, ein weniger wertvoller Grossetto geprägt, dazu ein teurerer Grossone , der so viel Silber enthielt, dass 24 Grossoni wieder einem Dukaten entsprachen. Sie wurde nach dem herrschenden Dogen Lira Tron genannt. Schon im ersten Viertel des Jahrhunderts lassen sich 14 private Banken nachweisen.

Sie hatten ihren Sitz am Rialtomarkt, der gleichsam zu einer täglich am Vormittag stattfindenden Börse avancierte. Dem Senat war daran gelegen, die Risiken der Kreditvergabe aus diesen Kautionen, die die Bankiers trotz Verboten durchführten, zu begrenzen. So durften sie ab auf keinen Fall mehr Geld in Handelsunternehmungen anlegen, als sie Anleihen gezeichnet hatten. Man ging das Risiko eines Bankrotts banca rotta ein, wenn damit die Getreideversorgung sicherer wurde.

Ursprünglich ein Mittel zum Tausch zwischen verschiedenen Münzen an verschiedenen Orten, entwickelte sich der Wechsel zum wichtigsten Mittel der Übertragung von Geldwerten — trotz des kirchlichen Zinsverbots. Da zwischen den Tauschvorgängen eine gewisse Zeit verstrich, wurde dieses Verfahren fast sofort zu einem Mittel des Kredits, wofür man mehr oder minder gut kaschierte Zinsen verlangte.

Italienische Bankiers und Händler wie Francesco Datini dominierten dieses Verfahren um vollständig, und auch Venezianer, wie Giacomo Badoer beherrschten dieses Spekulationsverfahren virtuos. Dabei war die Einklagbarkeit von Wechseln ein zentraler Schritt, der kurz nach in Barcelona erstmals vollzogen wurde.

Spätestens Ende des Im Allgemeinen wurde damit allerdings nicht das Schiff versichert, sondern die Waren, die es transportierte. Diese Abweichungen dürften in Abhängigkeit von der Dauer der Reise, der geladenen Ware und der Sicherheit der gewählten Seewege geschwankt haben. Die Kommunikation innerhalb der wachsenden und komplexer werdenden Handelsgesellschaften erforderte extensiven Schriftverkehr.

Dazu kam, dass die meisten Kaufleute sehr früh dazu übergingen, ihre Aufzeichnungen in ihrer Muttersprache, dem Volgare zu schreiben, nicht mehr in Latein. So galt das Schreiben in der adligen Lebenswelt noch lange als verachtenswert, während diese Tätigkeit im venezianischen Fernhandel zur Grundausbildung gehörte. Üblicherweise lernte man drei Jahre lang Elementarwissen, ging danach zur Abakusschule.

Durch die Buchführung wurden Geschäftserfolge oder -misserfolge genau und zeitnah messbar, durch die ständige Aktualisierung der Daten aber auch rationaler steuerbar. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass nicht alle Handelshäuser diese Technik für nötig hielten. Klare Darstellung und weitere Verbreitung fand dieses System, das als scrittura alla veneziana bekannt war, durch die Summa di Arithmetica des Luca Pacioli von In Venedig benutzten es die Soranzo und andere bereits seit den er Jahren.

Jahrhundert entwickelte sich ein eigener Handbuchtyp, die Beschreibung der Buchhaltungsmethoden, wie sie Benedetto Cotrugli verfasste. Dieses System korrespondierte aufs Engste mit Methoden der Warenkennzeichnung und -registrierung durch die Händler und die Zollstellen. Eigene Handelshandbücher, pratiche della mercatura genannt, zirkulierten in zahlreichen Handschriften.

Venedig war im Doch der Zustrom muss gewaltig gewesen sein, was die Miet- und Kaufpreise in die Höhe trieb. Daher griff die Kommune durch Preisfestsetzungen an vielen Stellen ein. Prinzipiell machte man dabei den Brotpreis vom Weizenpreis abhängig. Da Venedig allein für seine Bewohner jährlich rund Dass nur die Gebühren an den Mühlen erhöht werden sollten, zeigt, dass jedem Venezianer klar war, dass die Erhöhung dieser Gebühren für eine Verkleinerung der Brote sorgen würde.

Doch genau dies zeigt auch, dass sich die Lebenssituation bis zum Jahrhundert deutlich verbessert hatte, denn es war inzwischen kein Problem mehr, aus Mahlgebühren und Zöllen hohe Beträge für den Fiskus einzuziehen, ohne dass sich die unteren Schichten der Bevölkerung so bedroht fühlten wie noch zwei Jahrhunderte zuvor.

Die Landkriege wurden schon länger von Condottieri geführt, von denen sich Venedig dank seiner Ressourcen die teuersten leisten konnte. Das sah jedoch bei den Seekriegen inzwischen anders aus. Hier kämpften die venezianischen Seeleute selbst, keine Söldner. Abgesehen von den hohen Kosten, die beispielsweise der Krieg gegen die Osmanen von bis verursachte, schädigten Tod, Verstümmelung und Gefangenschaft dieser Männer die wirtschaftlichen Grundlagen Venedigs.

Arbeitskräftemangel war sowohl in den Kolonien als auch in Venedig selbst immer wieder ein fast unlösbares Problem. Damit nicht genug gehörten auch Spanien, das die von Venedig besetzten Häfen Apuliens zurückverlangte, Frankreich, das Cremona forderte, und Ungarn, das Dalmatien wieder seinem Staatsgebiet einverleiben wollte, der Liga an. Nur dadurch, dass alle Handwerker Freiwillige stellten, Matrosen als Soldaten für den Landkrieg eingesetzt wurden, und man neue Geldquellen erschloss, [62] konnte es dem späteren Dogen Andrea Gritti gelingen, das bereits verlorene Padua im Juli zurückzuerobern.

Dabei war der Monte Vecchio inzwischen mit 6 Millionen Dukaten, der Monte Nuovo mit mehr als 3 Millionen völlig überschuldet, und es musste jede Rückerstattung und Verzinsung eingestellt werden. An ihrer Stelle gründete man den Monte Nuovissimo , wenig später den Monte del Sussidio , dessen Name schon verrät, dass er nur der Unterstützung der Kriegsmaschinerie diente.

Zwar brachten in den Sommermonaten die Galeeren Waren im Wert von über So katastrophal der Krieg und seine Folgen im Einzelnen waren, so gefährlich wie die portugiesische Konkurrenz im Gewürzhandel vor allem Pfeffer und Gewürznelken und die von Antwerpen und Sevilla im Transatlantikhandel waren, so gelang es Venedig dennoch, als Finanzplatz, als Umschlagplatz für Metalle und für Waren aus dem Osmanischen Reich fortzubestehen.

Die Tuchproduktion verzwanzigfachte sich von bis Doch die stärksten Impulse lieferten die künstlerische und kunsthandwerkliche Produktion für den schnell wachsenden Luxusmarkt — sowohl innerhalb Venedigs, als auch im gesamten europäisch-mittelmeerischen Raum.

War die Bevölkerungszahl Venedigs wohl auf unter hunderttausend gefallen, so stieg sie im letzten Viertel des Jahrhunderts auf rund Dies war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass neue Industrien blühten. Erstmals errangen die Osmanen damit die Seeherrschaft. Bis hatten die Flottenführer noch erhebliche Mengen an freien Männern für die Galeeren anwerben können, wenn diese auch nur noch selten Venezianer waren.

Sie stammten aus Dalmatien, von Kreta und aus Griechenland. Nun ging man zunehmend zur Zwangsverpflichtung von Gefangenen und Schuldnern über, wie es im übrigen Europa bereits seit langem in Gebrauch war.

Langfristig dürfte dies den Arbeitsmarkt insofern verändert haben, als immer weniger Lohnarbeiter ihren Lebensunterhalt auf See verdienten. Doch selbst die Tatsache, dass Venedig in einem ungeheuren Kraftakt nochmals all seine Erfahrung, seine Mittel und Arbeitskräfte anspannte, indem es mehr als die Hälfte der über Galeeren baute, die die Osmanen vor Lepanto besiegten, änderte nichts daran, dass es im Konzert der Weltmächte nicht mehr mithalten konnte.

Trotz gewisser Erfolge im münzlosen Geldverkehr und im Kreditwesen blieb Europas Wirtschaft noch lange von der ausreichenden Zufuhr von Edelmetallen abhängig. Doch Spanien investierte den überwiegenden Teil dieses Edelmetallstroms in den Krieg gegen die Niederlande. Dabei standen kurzfristige fiskalische Interessen im Vordergrund, aber langfristig löste diese Politik inflationäre Schübe aus und schadete der Wirtschaft.

Dazu stärkte er die Exportindustrien, erhöhte den Gold- zu Lasten des Silberkurses und stabilisierte die Staatsschuld so beeindruckend, dass viele Ausländer ihre Edelmetalle hier anlegten. Doch nicht nur hierin gewannen die Niederlande, wenig später England, einen entscheidenden Vorsprung.

Zunächst gründete man nach dem Vorbild des venezianischen Banco di Piazza di Rialto , die Wisselbank. Ihr gelang es, nicht nur den Münzwert zu stabilisieren, sondern man erzwang, dass Wechsel ab Gulden nur noch über diese Clearingstelle verrechnet werden durften. Doch man ging viel weiter als in Venedig, um den Geldumlauf zu erhöhen und zu beschleunigen.

Man gestattete den Kunden Gold zu deponieren, wofür sie als Quittung Recepissen erhielten. Neben der Alltagstauglichkeit und dem hohen Vertrauen, das die Papiere genossen, weiteten sie die umlaufende Geldmenge sprunghaft aus und verbilligten langfristig Kredite — und stimulierten so Handel und Produktion weiter. Venedig dagegen misstraute dieser künstlichen Aufblähung und sah sich dementsprechend Konkurrenten ausgesetzt, die mit billigen Krediten und reichlich Edelmetallen ausgestattet waren.

Immerhin verteidigte Venedig in der Adria ein gewisses Monopol, das erst durch die Habsburger offiziell nicht mehr anerkannt wurde. Mit gewissem Erfolg baute man den Hafen von Spalato Split aus und befreite osmanische Waren, die hier in das venezianische Gebiet gelangten, von jedem Zoll.

Insgesamt wurden die Versuche der italienischen Mächte, durch Veränderung ihrer Wirtschaftspolitik alte Monopole zu brechen, sehr bedrohlich für Venedig. Das galt in begrenztem Umfang für Ancona , das der Kirchenstaat zum Freihafen erklärte, aber besonders für Livorno , das im selben Jahr zum Freihafen wurde und schnell erhebliche Teile des nahöstlichen Warenangebots an sich zog.

Auch mit Ragusa , das gegen Tribut von den Osmanen unabhängig blieb, trat in der Adria eine scharfe Konkurrenz auf. Gerade in dieser Zeit ging, nachdem der Pfefferhandel erstaunlich lange Widerstand geleistet hatte, sein Volumen nach erheblich zurück.

Wenige Jahre später galt Pfeffer nicht mehr als östliche Ware, sondern als westliche ponente. Holländer und Engländer hatten den Gewürzhandel weitgehend monopolisiert. Katastrophale Ereignisse, wie die Pest von , die beinahe Dennoch konnte für den Bau der Kirche Santa Maria della Salute , die zum Dank für die Erlösung von der Epidemie errichtet wurde, immer noch die gewaltige Summe von Englische und holländische Tuche verdrängten zunehmend venezianische.

Um hatte Venedig noch Man versuchte sich in Imitaten und trat immer häufiger nur noch als Zwischenhändler auf. Zucker und Baumwolle, zwei aufstrebende Produktionszweige seit dem Jahrhundert, wanderten nach und nach Richtung Amerika ab, so dass die Rohzuckerproduktion zwischen und von zwei Millionen Pfund auf rund Papiermühlen, Färbereien, Tuchwalkereien konnten sich in einer eng bewohnten Stadt auf Dauer nicht halten.

Doch das dortige Klima war zunehmend innovationsfeindlich, so dass beispielsweise das Weberschiffchen erst in Venedig eingeführt werden konnte. Die Papierindustrie fand ihre Zentren um Toscolano-Maderno. Ihr Ertrag wurde auf Rodungen, Trockenlegungen und Bewässerung nahmen zu, so dass man annimmt, die Agrarproduktion habe zwischen und auf dem Höhepunkt gestanden. Insgesamt brachten die neuen Industrien, dazu der Mais - und der Reisanbau mit seinen höheren Preisen, mehr Kapital ins Land.

Hingegen ging die Verstädterung zwischen und zurück. Venedigs Festland war in der 2. Um hingegen war Venedig zum Selbstversorger bei den meisten Agrarprodukten geworden. Dazu kam der Verkauf von Kirchengut ab In seiner Not fand sich der Adel bereit, die Zugehörigkeit zu dem ansonsten weitgehend unzugänglichen Stand für Ihr Aufstieg löste einen Prestigestreit zwischen alten und neuen Familien aus, der sich vor allem in den Luxusindustrien als anregend erwies.

Die Exportindustrien litten vor allem unter dem Protektionismus der Flächenstaaten und der ökonomischen Schwäche des Mittelmeerraums. Schon das osmanische Importverbot für Seide hatte die Seidenproduzenten gezwungen, auf andere Märkte auszuweichen. Die französische Wirtschaftspolitik schottete ihren Markt ihrerseits zunehmend gegen Konkurrenz ab, um eigene Industrien zu fördern und dem Fiskus Geldmittel zur Verfügung zu stellen. So erging ein Einfuhrverbot für Muranoglas, um die königliche Glasmanufaktur zu schützen.

Ähnliches galt für die französische Seidenproduktion. Hatte Venedig um noch Bald genehmigte man sogar die Produktion von Rohseide, eine Rolle, die bisher die Kolonien übernommen hatten, während Venedig sich lange die Veredelung vorbehalten hatte.

Auch die Wirtschaftsimpulse aus Spanien und Portugal blieben zunehmend aus, ebenso aus dem Osmanischen Reich. Der Mittelmeerraum insgesamt stagnierte, wozu die überhandnehmende Piraterie der Barbaresken ihren Teil beitrug. Allerdings waren dies überwiegend kleinere Schiffe. Die Kaufleute gingen zunehmend dazu über, holländische Schiffe zu erwerben.

Der Vorrang der Schiffbauindustrie war längst aufgegeben. Der Verlust von mehr als einem Drittel der Bevölkerung sorgte dafür, dass der Kretakrieg die Stadt noch härter traf. Dabei zeigte sich ein struktureller Nachteil in zunehmender Schärfe. Venedig schwankte viel länger als der Nordwesten Europas zwischen fiskalischen Interessen, Protektionismus und Handelsfreiheit hin und her.

Aber selbst die private Verpachtung der Zölle brachte nicht die erhofften Erträge, im Gegenteil geriet der Pächter so stark in Zahlungsverzug, dass man ihm mit Konfiszierung seiner Kaution von 4.

Insgesamt folgte Venedig jedoch zunehmend, wenn auch mit Verspätung, der Wirtschaftslehre dieser Zeit, dem Merkantilismus. Zu Beginn des Jahrhunderts wurden noch Waren im Wert von Gleichzeitig gingen Waren für fünf Millionen Dukaten in die Terra ferma. Venedig bildete also beinahe einen ökonomischen Mikrokosmos mit seinem verbliebenen Staatsgebiet. Da die europäischen Minen immer weniger Erträge brachten, blieb die Abhängigkeit vor allem von spanischen und portugiesischen Edelmetallen sehr hoch.

Jahrhunderts jährlich 10 bis 15 Tonnen Gold nach Europa. Venedig reformierte und sein Münzsystem und reduzierte, ähnlich wie Genua, Savoyen und Mailand, die Zahl der Nominale , begrenzte die Kupfermünzen und passte die Münzprägung an die Wertrelation von Gold und Silber an.

Schon jetzt unternahm man Versuche einer währungspolitischen Einigung Italiens, eine Zerklüftung, die immer deutlicher zum Hindernis wurde. Darüber hinaus wurde immer deutlicher, dass Währungspolitik ein wichtiger Faktor der Wirtschaftspolitik war.

Um also die Geldmenge auszuweiten, die die Kredite verbilligte und damit den Austausch anregte, versuchte man den Gebrauch von edelmetallfreiem Geld auszuweiten. Dies schien der Schlüssel zum Wettstreit der nationalen Ökonomien untereinander zu sein. Dennoch endete der gestartete Versuch John Laws in einer Katastrophe, dessen Folgen er sich nur durch die Flucht aus Frankreich entziehen konnte.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Venedig, wo er auch starb. Venedigs Adel war viel zu vorsichtig und zu konservativ geworden, um solche Versuche zu wagen. Venedig wurde zunehmend zu einem Agrarstaat, der Handel innerhalb seines Gebiets abhängig vom relativ bescheidenen Binnenkonsum. Rohstoffe waren zudem teuer, die Löhne dagegen niedrig, was wiederum den Binnenhandel auf niedrigem Niveau hielt.

Lane , Reinhold C. Dazu kommen Studien von Hans-Jürgen Hübner. Exzellent Republik Venedig Wirtschaftsgeschichte Italien. Ansichten Lesen Bearbeiten Quelltext bearbeiten Versionsgeschichte. Navigation Hauptseite Themenportale Zufälliger Artikel. Diese Seite wurde zuletzt am





Links:
Wie man einen Devisenhandel aufbaut | New Yorker Börse arca Pharma Index | Wilshire 500 gesamtmarktindex | Wie man den fairen Wert der Aktie findet | Bohrinsel Arbeitsplätze Grand Junction Colorado | Sbi online konto eröffnungsprozess | Was ist die Hürdenrate im Hotel | Online-Verkauf | Wie kann man in Pakistan Steuern online einreichen? | Pachthandel frühzeitig für Gebrauchtwagen |